Alle Artikel in: Verlage in der Schweiz

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Ruedi Debrunner: Klangspur in die vergessene Welt

Mein Buch des Jahres. Für alle, die Musik mögen – und für alle andere auch. Zugegeben, zuerst war ich unsicher, ob mir das Buch gefallen würde, denn die ersten paar Seiten begeisterten mich nicht vollends. Dann fürchtete ich, Bennos Geschichte sei eine männliche Entwicklungsgeschichte. Vor allem für Männer gedacht. Doch dann packte mich die Story und liess mich nicht mehr los. Ich bangte, hoffte, schwang mit den Protagonist_innen mit. Mehr als einmal wünschte ich mir, das Buch würde nie zu Ende gehen und war traurig, als es doch geschah.

Romana Ganzoni: Granada Grischun

Ein Mädchen verliert mit sieben seinen einzigen Freund – und versinkt fortan in viel zu großen Gummistiefeln. Ein anderes wartet sehnsüchtig auf Schnee, denn seine Eltern haben ein Skigeschäft: Kein Schnee und sie sind verloren. Sommer heißt Freibad, und das gehört den Girls. Sie entdecken hier zum ersten Mal die Schönheit der Jungen. Wenn sie hingegen in der Turnstunde die stinkende Seraina quälen, überkommt sie die Lust an Gewalt. Romana Ganzoni erzählt einmal poetisch, dann explosiv und immer überraschend von den Beben einer Kindheit im Engadin und den Nachbeben im Heute. Mit einer bildreichen, kraftvollen Sprache sticht sie in eine Zeit, in der die Welt am Bahnhof endet, Bäche und Kinder zusammengehören und die Menschheit sich in Katholiken und Protestanten aufteilt. Manchmal entpuppen sich die Erzählungen auch als Hommage – an Herrn Baumann, mit dem man im Speisewagen eine Baumhütte baut. Oder an den Vater, der tanzen konnte wie ein Gott, wenn er »Öl am Hut« hatte, und noch eine Rechnung offen hat, in Granada. Romana Ganzoni Granada Grischun Rotpunktverlag, 2017

Benedict Wells: Vom Ende der Einsamkeit

»Eine schwierige Kindheit ist wie ein unsichtbarer Feind: Man weiß nie, wann er zuschlagen wird.« Jules und seine beiden Geschwister wachsen behütet auf, bis ihre Eltern bei einem Unfall ums Leben kommen. Als Erwachsene glauben sie, diesen Schicksalsschlag überwunden zu haben. Doch dann holt sie die Vergangenheit wieder ein. Ein berührender Roman über das Überwinden von Verlust und Einsamkeit und über die Frage, was in einem Menschen unveränderlich ist. Und vor allem: eine große Liebesgeschichte. Mehr zum Inhalt Benedict Wells Vom Ende der Einsamkeit Diogenes, 2016, 368 Seiten

Kent Haruf: Unsere Seelen bei Nacht

Holt, eine Kleinstadt in Colorado. Eines Tages klingelt Addie, eine Witwe von 70 Jahren, bei ihrem Nachbarn Louis, der seit dem Tod seiner Frau ebenfalls allein lebt. Sie macht ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst. Aus dem Amerikanischen von pociao Kent Haruf Unsere Seelen bei Nacht Diogenes, 2017, 208 Seiten