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Esmahan Aykol: Istanbul Tango

Die junge Modejournalistin Nil landet in der Intensivstation des Spitals, nachdem sie in einem Café zusammengebrochen ist. Kathi Hirschel, Hobby-Detektivin mit eigener Krimibuchhandlung in Istanbul begibt sich auf Spurensuche.

Ich mag Detektivinnen-Geschichten. So auch die Story um die Buchhändlerin Kathi Hirschel, die sich leicht und schnell liest. Bei der Lektüre lerne ich einiges über die Mentalität moderner Türkinnen, über Istanbul, das Essen vor Ort:

Wir bestellten Börek mit viel Puderzucker und Tee. Die Luft war zwar noch nicht besonders warm, aber früher oder später würde der Sommer kommen.

Vorerst tappt die Detektivin im Dunkeln. Hatte Nil womöglich Modedrogen konsumiert? Wurde sie vergiftet? Oder wollte jemand die Journalistin aus dem Weg räumen, bevor sie das Buch mit brisantem Inhalt auf den Markt bringen konnte?
So spannend das klingt, so harmlos ist die Umsetzung, die mir nur  selten Hühnerhaut beschert.

Ach ja: Kathi Hirschel ist Single.

Hakan war ein sehr gutaussehender Mann. Wenn ich ihm im Traum begegnet wäre, hätte ich nie mehr aufwachen wollen. Hellbraunes, welliges Haar, lange Wimpern, riesige braune Augen, groß und breitschultrig. Mehr konnte man nicht wollen.

Die Auflösung des Falles ist für mich überraschend. Sie taucht sozusagen aus dem Nichts auf. Unerwartete Finale werde ich wohl nie im Leben mögen. Trotzdem war die Lektüre ein Genuss. Das Buch ist heiter, die unzähligen Protagonistinnen und Protagonisten warmherzig und witzig, die Redewendungen sind himmlisch:

Wir kauften Sandwiches mit Schafkäse zu Apothekerpreisen.

Aber ansonsten versuchst du da mit einer Nadel einen Brunnen zu bohren, das lass dir gesagt sein.

Fazit: Heiter, warmherzig, gut – und leicht.

Esmahan Aykol
Istanbul Tango
Ein Fall für Kati Hirschel
Diogenes, 2016

Aus dem Türkischen von Antje Bauer

Die Autorin

Esmahan Aykol, geboren 1970 in Edirne in der Türkei, arbeitete während des Jurastudiums als Journalistin für verschiedene türkische Zeitungen und Radiosender. Darauf folgte ein Intermezzo als Barkeeperin. Heute konzentriert sie sich aufs Schreiben. Esmahan Aykol lebt in Berlin und Istanbul.