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Franzsika Seyboldt: Rattatatam, mein Herz

Jede_r 6. Deutsche leidet im Laufe ihres_seines Lebens einmal unter einer Angststörung. In der Schweiz wird die Statistik wohl ähnlich aussehen. Auch ich kenne dieses Problem.

Die Journalistin Franzsika Seyboldt schreibt autobiografisch von ihrer Angsterkrankung. Manchmal etwas zu detailliert, sodass auch die Leserin zeitweise nur schon von der Lektüre Herzrasen bekommt. 😉

Die Geschichte ist keine Heilungsgeschichte im eigentlichen Sinne – und doch, irgendwie, ein Befreiungsschlag.

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Übrigens: In Spanien ist der Satz: Er hat gerade eine Panikattacke nichts, was Betroffene in Verlegenheit bringen würde. Hier in Mitteleuropa sieht das ganz anders aus.

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Übrigens 2: Heutzutage gibt es durchaus Möglichkeiten, Angsterkrankungen loszuwerden. Dazu müssen angsterfüllte Gedanken erkannt (dabei tief in den Bauch atmen!) – akzeptiert – und gestoppt werden. Die entstandene Lücke wird durch (visualisierte) Alternativgedanken gefüllt. Wer die Übung oft genug wiederholt – beim kleinsten Hauch eines Angstgedankens – wird bald einmal davon befreit sein.
(Es sei denn, man steht unter grossem Stress, dann dauerts etwas länger.)

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KLAPPENTEXT

Angststörungen treten laut einer internationalen Studie häufiger auf als Depressionen. Und doch sind sie immer noch ein Tabuthema. Franziska Seyboldt will dies mit »Rattatatam, mein Herz« ändern.
Die Angst hat sich schon früh eingeschlichen in Franziska Seyboldts Leben. Und sie ist weit über das hinausgegangen, was man allgemein unter »ängstlich« versteht. Angst davor, mit der U-Bahn zu fahren, zum Arzt zu gehen, in beruflichen Situationen zu versagen, kurz: generalisierte Angststörung. Panikattacken. Millionen von Menschen kämpfen sich mit dieser Erkrankung und der daraus resultierenden Angst vor der Angst durchs Leben und sind wahre Meister im Ausredenerfinden geworden, notgedrungen. Warum spricht niemand darüber? Warum ist die Angststörung nicht so »normal« wie Depressionen oder Burn-out? Diese Fragen stehen am Anfang von Franziska Seyboldts poetischem und mutigen Buch, das ihren Weg durch die Angst beschreibt. Sie ist nie eingeladen, diese Angst, und doch immer dabei. Indem sie unter ihrem Klarnamen schreibt, befreit sich Franziska Seyboldt aus dem Zwang nicht aufzufliegen, keine Schwäche zu zeigen: »Ist man schwach, wenn man Schwäche zeigt, oder holt man sich gerade so die Kontrolle zurück?«, fragt sie.
Ein wegweisendes Buch, das eines der wichtigsten Themen unserer durchperfektionierten Gesellschaft aufs Tapet bringt.