Ruedi Debrunner: Klangspur in die vergessene Welt

Mein Buch des Jahres.
Für alle, die Musik mögen – und für alle andere auch.

Zugegeben, zuerst war ich unsicher, ob mir das Buch gefallen würde, denn die ersten paar Seiten begeisterten mich nicht vollends. Dann fürchtete ich, Bennos Geschichte sei eine männliche Entwicklungsgeschichte. Vor allem für Männer gedacht.

Doch dann packte mich die Story und liess mich nicht mehr los. Ich bangte, hoffte, schwang mit den Protagonist_innen mit. Mehr als einmal wünschte ich mir, das Buch würde nie zu Ende gehen und war traurig, als es doch geschah.

Klangspur ist eine Geschichte über das Leben, die Liebe, vergessene Träume. Über Menschen, die sich ein Stück weit abhandengekommen sind mit den Jahren. Sie zeigt auf, wie ein äusseres Ereignis zum richtigen Zeitpunkt vermeintliche Wahrheiten in Frage stellen und uns an den Rand unserer Existenz bringen kann.

Textauszug:
Was wäre aus ihm geworden, wenn er die Flut seiner Gefühle zugelassen hätte? Wenn er die Wucht der Emotionen seinen Mitmenschen zugemutet hätte? War es vielleicht sogar das, was Monika von ihm erhofft hatte? Was sie in der Unruhe seiner Augen gesehen hatte?
War es jetzt zu spät? War es zu spät, die Komposition unter dem Stapel hervorzukramen? Zu spät, dieses Gewühl unterdrückter Emotionen aus dem Schweigen zu befreien?

Der Autor:
Ruedi Debrunner, geboren 1962, studierte Klavier und Klarinette. Er komponiert Musiktheater, Orchester-, Chor- und Kammermusik, tritt in klassischen und frei improvisierten Konzerten auf und unterrichtet an der Neuen Kantonsschule Aarau. Sein erster Roman – “Süssland, eine afrikanisch-europäische Komposition” – erschien 2009 in der edition 8.

Aus Zeitgründen schreibe ich zurzeit keine umfassenden Rezensionen.
Das kann bald wieder ändern.

Klappentext:
Wieviel Ordnung brauchen Sie? Und wieviel ertragen Sie? Woher kommt die Kreativität? Und wie stellt man sie ab? Wie komponiert man Musik? Und wie wird unser Leben komponiert? Durch Zufälle? Durch Entscheidungen?

Wie wäre das Leben des Musiklehrers und -kritikers Benno Spiess verlaufen, wenn ihn der schicksalhafte Telefonanruf nicht erreicht hätte? Obwohl sein Urlaub gerade begonnen hat, nimmt er – nach kurzem Zögern – den Hörer ab und willigt ein, einen Konzertbericht zu schreiben: Vilma Pajula spielt aus dem letzten Werk von Alex Stern. Benno hat keine Bedenken: Tausendzweihundert Zeichen – ein Klacks. Fünfundvierzig Minuten. Maximal.

Doch das Konzert wirft ihn aus der Bahn. Was hat die Pianistin mit ihm angestellt? Und wer ist dieser verschollene Komponist? Die Begegnung mit dessen verschrobener Lebenspartnerin Sandra Sammartino wirft ein neues Licht auf Bennos brüchige Lebensidylle. Wie kann er das alles seiner Frau Monika erklären? Der alte Flügel und der Mäusegeruch im verstaubten Komponistenkabuff führen ihn in die verschollen geglaubte Klangwelt seiner Vergangenheit. Doch das ist erst der Anfang …

Mit einer bilderreichen Sprache zieht einen der zweite Roman von Ruedi Debrunner mitten in den Strudel des Lebens. Oder noch einen Schritt darüber hinaus? Ein Buch voller gewitzter Dialoge, voller Gerüche und vor allem: voller Klänge.

Ruedi Debrunner
Klangspur in die vergessene Welt
Edition 8, 2017